iimpact: Kleine Idee – große Wirkung

Was 2003 mit einer Idee auf einem Klassentreffen indischer Geschäftsleute begann, ist heute ein erfolgreiches Alphabetisierungsprojekt. Finanziert von Unternehmen, Einzelpersonen und Hotels verändert es das Leben von 17.000 Mädchen in den ärmsten ländlichen Regionen des Subkontinents.

iimpact setzt sich für die Bildung von Mädchen ein.Khushnuma lebt im indischen Bundesstaat Haryana. Mit ihren Geschwistern und Eltern wohnt sie in einem alten Ziegelbau in der 10.000 Einwohner zählenden Gemeinde Ghaseda, nicht weit von Delhi. Obwohl sie erst sieben Jahre alt ist, wird viel von ihr erwartet, wie etwa die Mithilfe bei der Betreuung ihrer jüngeren Geschwister oder die mühevolle Beschaffung von Brennholz und Wasser. Als Muslimin ist der Besuch der Koranschule Pflicht, in der täglich mindestens drei Stunden lang die Suren gelernt werden.
Khushnumas Vater Mushtak ist Farmarbeiter. Seine Familie muss mit weniger als 100 Euro pro Monat auskommen. Einer seiner Söhne besucht die nahe gelegene öffentliche Schule, die anderen beiden sind noch zu jung dazu. Früher konnten er und seine Frau sich nicht vorstellen, auch ihr Mädchen zur Schule zu schicken. Doch eines Tages sprach sie die Lehrerin Bhagwati Devi an, um sie auf ein kostenloses Lernzentrum für Mädchen im Volksschulalter aufmerksam zu machen, das ganz in ihrer Nähe eröffnet hatte. Als konservativer Moslem hatte Mushtak erst Angst, seine Tochter könnte von den Ideen der jungen Lehrerin oder den vielen Büchern „verdorben“ werden. Doch Bhagwati gelang es, seine Bedenken vollends auszuräumen.

Perspektiven unter dem Schleier

iimpact setzt sich für die Bildung von Mädchen ein.Wochentags trifft sich Khushnuma nun gemeinsam mit 29 anderen muslimischen Mädchen aus der Umgebung mit ihrer Lehrerin in einem kleinen Raum, wo alle Volksschulstufen gleichzeitig unterrichtet werden. Auf dem Boden sind Matten ausgebreitet, kleine weiße Plastikschemel dienen als Tisch. Darauf werden die dünnen Bücher für die Fächer Mathematik, Hindi und Englisch ausgebreitet. In Umweltkunde lernen Khushnuma und ihre Kolleginnen all das, was die anderen Fächer nicht umfassen, so zum Beispiel Hygiene, Gesundheit und Ernährung. Dinge, die sie zu Hause an ihre Mütter weitergeben. Der Unterricht dauert vier bis viereinhalb Stunden pro Tag, danach kehren die Mädchen wieder zu ihren Pflichten zurück. Die besten Ergebnisse bei ihren Schülerinnen erreicht Bhagwati mit Lern-Spielen, bei denen viel getanzt, gereimt, gesungen und vor allem gelacht wird. „Ich freue mich jeden Tag darauf, meine Freundinnen zu treffen und mit ihnen zu lernen,“ meint Khushnuma, deren Lieblingsfach Hindi ist.

Lernen statt heiraten

iimpact setzt sich für die Bildung von Mädchen ein.Manche Mädchen werden in rückständigen ländlichen Gesellschaften immer noch als ökonomische Last betrachtet. Das begründet sich hauptsächlich in dem unfairen Mitgiftsystem, das die Brauteltern oft in ein hoffnungsloses Schuldendilemma treibt, obwohl es offiziell seit 1961 abgeschafft wurde. Zudem gehört ein Mädchen nach der Heirat nicht mehr zu ihrer Familie, sondern zu der des Ehemanns, weshalb viele ihre Ausbildung als unnötige Ausgabe abtun. Selbst das Unwesen der seit 1929 verbotenen Kinderehe ist noch nicht ausgestorben. Mädchen werden als Elfjährige oder noch jünger in die Ehe mit wesentlich älteren Männern getrieben, damit sich die Familie ihren Unterhalt erspart. Auf diese Art werden sie über Nacht ihrer Kindheit samt aller Rechte beraubt. Sozialarbeiter versuchen durch Aufklärung den Status der Mädchen zu verbessern, was immer öfter auch gelingt. „Um den Leuten zu erklären, warum Mädchen eine Ausbildung brauchen, gehen wir von Tür zu Tür,“ erzählt die Sozialarbeiterin Anandi. „Langsam verstehen sie, dass sie nicht nur einer Familie helfen, wenn sie ein Mädchen in die Schule schicken, sondern gleich zwei.“ Die Mutter einer Absolventin meint: „Jetzt, wo unsere Tochter ausgebildet ist, kann sie sich eine Arbeit suchen und zu unserem Erhalt beitragen, und nach ihrer Hochzeit, kann sie für ihre Kinder und Schwiegereltern sorgen.“ Fragt man die Mädchen, bröckelt das Bild von Ehe, Kinderkriegen und Haushalt, denn viele scheinen entschlossen, so lange weiterzulernen, bis sie Polizistin oder Krankenschwester sind.

iimpact beeindruckt

iimpact setzt sich für die Bildung von Mädchen ein.Die Lernzentren für Mädchen werden von der indischen Nicht-Regierungs-Organisation iimpact betrieben, die von Absolventen des Indian Institute of Management ins Leben gerufen wurde. Anlässlich eines Klassentreffens beschlossen die Geschäftsleute, ihren Erfolg mit den Ärmsten des Landes zu teilen. Seither konnten 560 Lernzentren für je zirka 30 Mädchen eröffnet werden, wobei die Standorte dort gewählt werden, wo die Alphabetisierungsrate am geringsten ist. Pro Jahr kostet die Ausbildung von 30 Mädchen rund 1.100 Euro. Zu den Förderern zählen das Westin Hotel Gurgaon (New Delhi) und das Westin Sohna Resort & Spa. Derzeit liegt der Schwerpunkt im Norden Indiens, doch bis zum Jahr 2014 soll die Anzahl der Zentren auf 2.000 erhöht werden, damit bis zu 60.000 Mädchen aus wirtschaftlich und sozial rückständigen ländlichen Gebieten in ganz Indien die Chance auf einen guten Start ihrer Schulkarriere erhalten. Der Unterricht und das Lernmaterial sind kostenlos. Die Auswahl und Ausbildung der Lehrerinnen erfolgt nach strengsten Kriterien und es wird darauf geachtet, die Mädchen optimal auf den weiterführenden Schulbesuch an einer öffentlichen Schule vorzubereiten. Zweifellost ist aber das beste Werkzeug, das die Absolventinnen mitnehmen können die Fähigkeit, die Normen ihres Lebens im Dorf zu hinterfragen, damit sie einem besseren Leben entgegen gehen, als jenem ihrer Mütter und Großmütter.

Informationen…
… sind im Internet unter www.iimpact.net  abrufbar. Dort gibt es auch die Möglichkeit, die Lernzentren mit einer Spende zu unterstützen. Da einer der Gründer sämtliche administrativen Kosten übernimmt, erreichen die Mädchen 100% jeder Spende.

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