Hoch hinaus in Marokko: Kasbah du Toubkal

Qualitätstourismus und soziales Engagement hatten die Brüder Mike und Chris McHugo im Sinn, als sie 1989 im Hohen Atlas eine verlassene Berber-Festung kauften. Am Weg zum 4.167 m hohen Gipfel des Mount Toubkal gelegen, zählt die Kasbah du Toubkal heute zu den interessantesten Hotels von Marokko.
Kasbah du Toubkal im Hohen Atlas

Nur 60 kurvige Kilometer oder 90 Minuten Autofahrt sind es von Marrakesch bis in das Berberdorf Imlil. Nicht weit von dort – auf 1.800 Metern über dem Meeresspiegel – thront auf einer Bergkuppe die ehemalige Berber-Festung, Kasbah du Toubkal, die seit 1995 vom britischen Reiseunternehmen Discover Limited als Hotel betrieben wird. Wer nach aalglattem Fünfstern-Luxus im herkömmlichen Sinn sucht, ist allerdings fehl am Platz. Die Renovierung erfolgte mit traditionellen Baumaterialien und nach alter Technik und bei der Einrichtung wurden ausschließlich einheimische Elemente verwendet, wie zum Beispiel von Hand gewobene Teppiche und prächtige Decken oder Holzschnitzereien. Die übliche Hotelstimmung kommt nicht auf, viel eher ist die Atmosphäre von der sprichwörtlichen Gastlichkeit der Berber geprägt. Von der Dachterrasse sieht man nicht nur die schneebedeckten Gipfel des Hohen Atlas, man hat auch einen herrlichen Ausblick auf grüne Wälder, einen beeindruckenden Wasserfall und das Imlil Tal mit seinen Terrassenfeldern, Obstplantagen und kleinen Dörfern aus Stein und rotem Lehm.

Von der Ruine zum Hotel

Omar and MikeHeute verfügt die Kasbah über acht Zimmer mit Bad und ein Familienhaus mit drei Schlafzimmern. Zusätzlich gibt es ein kleines Seminarzentrum und einen Schlafsaal für Schülergruppen, die der Lehrer und Schulreiseveranstalter Mike McHugo seit Jahren nach Marokko bringt. Die Zimmer sind traditionell ausgestattet und warten mit ein paar Überraschungen auf, wie z.B. einer i-pod Docking Station, einem CD-Player oder etwa echten Lederpantoffeln. Um den Gästen interessante Tageswanderungen zu ermöglichen, gibt es auch eine Berghütte, die mit Solarenergie beheizt wird, ansonsten aber einer ganz normalen Berberbehausung gleicht. Nach Berber Art ist auch die Küche. Serviert werden lokale Spezialitäten, Salate oder etwa Couscous, zur Perfektion gekocht und äußerst geschmackvoll. Schon beim Frühstück duftet es immer nach frisch gebackenem Brot. Geleitet wird die Kasbah von dem Marokkaner Omar Ait Barmed, dem ersten Menschen, den Mike 1978 traf, als er durch das Imlil Tal kam und der zu seinem Freund fürs Leben wurde. Damals war Mike auf der Suche nach interessanten Routen für das Programm seines Reiseunternehmens. Hajj Maurice, wie Omar dank seiner Schilehrerkarriere in Frankreich und aufgrund einer Pilgerreise nach Mekka genannt wird, war auch daran schuld, dass Mike die alte Berberfestung überhaupt sah und sich in das verfallene Gebäude verliebte.

Zimmer mit Zweck

TerrasseVon Anfang an war das Ziel, an einer sanften Entwicklung des Tourismus in Marokko mitzuwirken und die lokale Bevölkerung zentral einzubinden, von der Mike und Chris sich immer wieder Rat und Hilfe holten. Eines der ersten Werbemittel, das gedruckt wurde, war eine Postkarte mit der Ruine der Kasbah. Darauf war zu lesen: „Discover Limited plant hier die Errichtung eines kleinen Hotels, das nach nachhaltigen Richtlinien konzipiert und gebaut wird, und an dem Besucher wie Einheimische gleichermaßen Nutzen ziehen sollen.“ Dieses Ziel ist erreicht, denn von der Kasbah, die Hajj Maurice gemeinsam mit seiner Frau Hajja Arkia managt, profitieren nicht nur rund 30 Mitarbeiter aus den umliegenden Dörfern sondern die ganze Gemeinschaft. „Unsere Gäste zahlen bewusst fünf Prozent auf den Übernachtungspreis, die der lokalen Bevölkerung zugute kommen,“ ist Mike stolz. Immerhin leben in den verschiedenen Teilen von Imlil 1.500 Menschen und im gesamten Tal rund 5.000, die meisten von ihnen sind Subexistenzbauern, die Getreide anbauen und Walnuss-, Kirschen- und Apfelplantagen betreiben. Um den guten Kontakt und die Partnerschaft mit der Gemeinde möglichst reibungslos zu gestalten, wurde die Imlil Village Association gegründet, die sich von den Geldern der Kasbah sowie diversen Spenden, die die McHugos regelmäßig auftreiben, finanziert. Bisher konnten zwei Rettungsautos mit Fahrer, eine Schule für 80 SchülerInnen in einem entlegenen Tal, ein dringend benötigte Müllentsorgungsanlage sowie das erste öffentliche Dampfbad (Hammam) ermöglicht werden. Zu den regelmäßigen Wohltätigkeitsveranstaltungen zählen Radtouren, bei denen Mike für gutes Sponsorengeld schon mal auch von England bis nach Marokko radelt.

Bildung für Mädchen

Education for All

Mit dem jüngsten Projekt setzen sich die Betreiber der Kasbah besonders für Schülerinnen ein, denn nur selten haben Mädchen vom Land in Marokko die Gelegenheit, ihre Ausbildung nach der Volksschule fortzusetzen. Da es nur wenige, weit verstreute Schulen gibt, müssen die Mädchen in der Nähe der Schule wohnen. Das können sich die meisten Eltern nicht leisten. Außerdem fürchten sie um die Sicherheit ihrer Töchter. Um dieses Problem zu lösen baut und betreibt die lokale Nicht-Regierungs-Organisation ‚Education for All’ (Bildung für alle) Schülerinnenheime in der Region des  Hohen Atlas. Das erste wurde im Mai 2008 in Asni, 45 km von Marrakesch, fertig gestellt und bietet Raum für 24 Mädchen. Das zweite ist ein Zuhause für zwölf Mädchen und eröffnete im Herbst 2009 in der Marktstadt Talaat-n-Yacoub, 100 km von Marrakesch. Die Kosten für Aufsicht, Bekleidung, Lebensmittel und die Schulmaterialien sowie die Hausmutter betragen 1.000 Euro pro Jahr und Schülerin. Darüber hinaus entstehen keinerlei administrative Kosten, denn alle, die in diesem Projekt arbeiten, tun das auf freiwilliger Basis. Auf diese Weise fließen Spenden zu 100% in die Projekte.

Rentabel und doch sozial

Kasbah du Toubkal„Menschen die gerne relaxen, über Kultur lieber lernen, als anderen ihre eigene aufzuzwingen, die einigermaßen fit sind und gerne wandern, die gut zubereitete, einfache Mahlzeiten aus frischen Zutaten schätzen und die sich gerne auf eine unaufgeregte Art auf die Einheimischen einlassen, die sich lieber als Gast statt als Kunde fühlen, denen wird es in der Kasbah du Toubkal gefallen,“ beschreibt ein Reiseveranstalter die Zielgruppe des Öko-Luxus-Hotels mit dem authentischen marokkanischen Lebensgefühl. Heute ist die Kasbah ein einträgliches Geschäft, das sich positiv auf alle Beteiligten auswirkt. Eine zentrale Rolle für den Erfolg des Hotels aber auch der Sozialprojekte sieht Mike in den lokalen Beziehungen. Gemeinsam mit den Einheimischen ist es uns gelungen, selbst die Politiker für unsere Ideen zu begeistern.


Ausgezeichnet wurde die Kasbah du Toubkal bereits mit dem Responsible Tourism Award (2004) sowie dem Sustainable Tourism Award (Marokko, 2008). Das Sozial- und Umweltbewertungssystem „Tribes/Fair Trade“ verlieh der Kasbah fünf Globen (2008) und National Geographic hob sie 2009 in den Rang der besten 50 Öko-Lodges. Von den Eco Hotels of the World hat das Haus seit März 2009 vier grüne Sterne und seit Mai 2009 ist es Mitglied bei Eco Luxury.
Infos: www.kasbahdutoubkal.com; Fotos: Alan Keohane


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