Auszeichnung für Dorftourismus in Usbekistan

Bei der Verleihung des TO DO! Award für sozialverantwortlichen Tourismus, der im Rahmen der ITB 2015 vergeben wird, kommt neben Preisträgern aus Indien und Costa Rica in diesem Jahr auch ein bemerkenswertes Dorftourismus-Projekt aus Usbekistan zum Zug, bei dem den Gästen die islamisch geprägte Kultur des zentralasiatischen Binnenlands auf unkomplizierte Weise näher gebracht wird.

An der legendären Seidenstraße zwischen Samarkand und Buchara hat Ravshan Turakulov mit seiner Reiseagentur Silk Road Destinations ein gemeindebasiertes Projekt auf die Beine gestellt, bei dem der Gast in direkten Kontakt mit den lokalen Familien treten kann. Dabei erhalten die Dorfbewohner die Möglichkeit, ein zusätzliches Einkommen zu generieren. Gleichzeitig fördert der kulturelle Austausch die Verständigung zwischen Menschen, die einen unterschiedlichen sozialen und religiösen Background haben.

Begegnungen auf Augenhöhe

Vier Menschen stehen um einen gedeckten TischMit seiner abgeschiedenen Lage, rund 60 Kilometer nördlich von Samarkand, war Mitan vor der Initiative der Reiseagentur ein weißer Fleck auf der touristischen Landkarte. Man erreicht das kleine Dorf über eine Sandstraße, auf der viele der anderen Verkehrsteilnehmer auf Maultierkarren unterwegs sind. Die Dorfbewohner leben von den schmalen Einkünften aus dem Anbau von Baumwolle und Blumen oder der Zucht von Bienen und Seidenraupen. Von Natur aus ausgesprochen gastfreundlich, sind sie mit großer Leidenschaft bei der Sache, wenn es darum geht, die Besucher im traditionellen Gästehaus (Homestay) unterzubringen, sie zu bewirten oder sie mit ihren Gebräuchen vertraut zu machen. Nach eigenem Belieben können die Gäste auch gerne am Dorfleben teilnehmen und sich zum Beispiel im Baumwollpflücken versuchen. Durch die entspannte Begegnung mit den freundlichen Menschen im Dorf, taucht man nach und nach in die usbekische Kultur und ihre islamische Traditionen ein, sodass sich so manches Vorurteil in Luft auflösen kann. Beiderseitiger Respekt und Wahrung der Privatsphäre sind dabei unausgesprochene Regeln. Die Gastgeber freuen sich abgesehen vom zusätzlichen Einkommen, das die Bewirtung der Gäste ermöglicht, auch über die Abwechslung und Weltoffenheit, die der Austausch ins Dorf bringt. Zusätzlich können Jugendliche Erfahrung im Tourismus sammeln und sich entsprechende Arbeitsplätze sichern.

Selbst ist das Dorf

P1060110Beispielhaft ist auch die Unabhängigkeit des „Mitan Responsible Tourism Project“, denn anders als die meisten Tourismus- oder Entwicklungsprojekte dieser Art, wurde es ohne jedwede Finanzhilfe aus dem In- oder Ausland auf die Beine gestellt. Zudem ist es nicht als zusätzliches Angebot zu einer bestehenden Tourismusattraktion entstanden, sondern wurde von Grund auf von Silk Road Destinations neu konzipiert. Das Konzept von Ravshan Turakulov besteht daraus, Dorfgemeinschaften ins Zentrum der Reiseangebote zu stellen, da er überzeugt ist, dass vom Tourismus in erster Linie die lokalen Gastgeber profitieren sollen. In der gelungenen Balance zwischen dem authentischen Kulturerlebnis der Besucher und dem lukrierten Zusatzeinkommen für das Dorf, liegt seiner Meinung nach der Schlüssel zur Nachhaltigkeit.

TO DO! Preisträger

Am 4. März vergibt der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung auf der ITB zum 20. Mal den TO DO! Preis für sozialverantwortlichen Tourismus. Dafür reichten im Vorjahr insgesamt zwölf Bewerber aus zehn Ländern ihre Projekte ein, von denen – wie immer – die drei besten ausgezeichnet werden. Neben dem beschriebenen Dorftourismus-Projekt aus Usbekistan, zählen Reality Tours & Travel aus Indien und Actuar aus Costa Rica zu den gleichrangigen Gewinnern. Reality Tours & Travel organisiert Touren in die unterprivilegierten Stadtteile von Mumbai, bei der die Bevölkerung eng eingebunden ist. Actuar ist eine Vereinigung, die mit großem Erfolg 34 bäuerlich geprägte oder indigene Gemeinden in Costa Rica vermarktet.

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