Zugvogel Tourismus

Urlaub machen, dort wo Flamingos, Störche oder Pelikane es auch tun? Unter dem Motto „Flugrouten als Reiseziel“ fördert die Welttourismusorganisation UNWTO nachhaltige Tourismusprojekte entlang der Hauptflugrouten von Zugvögeln in Europa, Asien und Afrika um „grüne“ Arbeitsplätze zu schaffen und mit den Einkünften den Schutz von Nist-, Brut- und Rastplätze zu gewährleisten.

 

Gruppe von Menschen mit Ferngläsern bei der VogelbeobachtungMehr als eine Milliarde Menschen reisen jährlich über internationale Grenzen hinweg, dem Tourismus-pionier Thomas Cook und den fliegenden Brüdern Wright sei Dank. Wenn es um lange Flugreisen geht, sind uns die Zugvögel jedoch um etliche tausend Jahre voraus: seit jeher folgen sie auf ihren Flugrouten rund um den Globus den günstigsten Nahrungs-, Wetter- oder Brutbedingungen. Alleine über Europa kreuzen zweimal jährlich rund 500 Millionen der gefiederten Vielflieger von Norden nach Süden und vice versa. Je nach Art bewegen sie sich in Schwärmen, einzeln oder in der markanten Keilformation – wie etwa Gänse oder Kraniche. Die meisten Arten bevorzugen es nachts zu reisen, Störche und andere größere Vögel fliegen untertags. Einige legen wenige hundert Kilometer zurück, andere überqueren Ozeane und Kontinente. Dabei verwenden sie eigene Flugtechniken und verstehen es, Thermik und Aufwinde kraftsparend zu nutzen. Neben genetischen Elementen und der Orientierung nach der Sonne und dem Magnetfeld der Erde hilft bei der Navigation auch ein punktgenaues Gedächtnis für die Landschaft. Ihr Überleben ist unter anderem von ökologisch intakten Rastplätzen abhängig, wo sie ungestört pausieren und ihre Energiereserven auftanken können.

Gefährliche Reise

Hunderte Vögel fliegen in einer Reihe am HimmelDie lange Reise der Zugvögel birgt unzählige Gefahren. Speziell bei den Jungtieren ist die Mortalität enorm hoch – Ornithologen schätzen, dass maximal ein Viertel den Flug überlebt. Abgesehen von Hunger, Durst und Erschöpfung und den natürlichen Fressfeinden fordern auch Sandstürme, der Flugverkehr, Hochspannungsleitungen, verwirrende Glasfassaden auf Hochhäusern oder etwa die Rotorblätter von Windkraftanlagen unzählige Opfer. Besonders traurig stimmt das Schicksal von Millionen von Singvögeln, deren Migrationsflug vor der Flinte oder in den Netzen maltesischer, italienischer oder französischer Jäger oder gar als Beifang in Fischernetzen endet. Zudem bekommen die Vögel die negativen Auswirkungen von Umweltverschmutzung und Klimawandel zu spüren und leiden unter der exzessiven Grünlandverbauung und dem rapiden Schwund an zugänglichen Feuchtgebieten, Seen und Flusslandschaften. Signifikant ist die Zerstörung der Lebensräume durch die Landwirtschaft. Kreiselmäher, Pestizide und Dünger zerstören die Nahrungsbasis der Vögel und tragen wesentlich zum Artensterben bei. „Seit den 1980-er Jahren ist jeder zweite Vogel verschwunden“, bringt Gerald Pfiffinger, Geschäftsführer der Vogelschutzorganisation BirdLife die dringliche Sachlage auf den Punkt.

Flugrouten als Reiseziel

Ein Fernrohr ist auf einen Teich gerichtet, an dem auch eine Holzhütte als Versteck für Hobbyornithologen steht

Reisen, die Gelegenheit zur Vogel-beobachtung oder Vogelfotografie bieten erfreuen sich weltweit steigender Beliebtheit. In diesem Sinne können die spektakulären Bewegungen der Zugvögel das Angebot jedes Reiseveranstalters bereichern. Um jedoch die wichtigen Lebensräume der Vögel auf ihren Flugrouten auch bei steigenden Besucherzahlen zu schützen, ist große Sorgfalt geboten und internationale Zusammenarbeit unerlässlich. Deshalb hat die Welttourismusorganisation UNWTO kürzlich acht Lieblingsstationen der Zugvögel in Europa, Afrika und Asien definiert, wo in Zukunft nachhaltige Tourismusprojekte gefördert werden. Sie umfassen das Wattenmeer in Norddeutschland im Nationalpark Schleswig-Holstein, das staatliche Naturreservat Korgalzhyn in Kasachstan, das Seocheon Wattenmeer und den Geum Fluss in Südkorea, das Chongming Dongtan Naturschutzgebiet im Osten Chinas, den Chilika See im indischen Bundesstaat Orissa, den Natronsee in Tansania, das Nationale Vogelschutzgebiet von Djoudj im Senegal und den Ras Mohammed Nationalpark in Ägypten.

Trittsteine für gefiederte Vielflieger

Ein Storch steht auf seinem Nest am RauchfangDas unter dem Motto „Destination Flyways“ (Urlaubsziel Flugrouten) laufende Projekt befindet sich derzeit in der Planungsphase und soll 2015 umgesetzt werden. Das Kernstück der Initiative sind touristische Angebote wie etwa geführte Vogelbeobachtungstouren oder Fotosafaris, die Naturliebhaber und Vogelfreunde – so genannte Birder – aus aller Welt ansprechen. Durch die Kanalisierung von Einnahmen aus dem Tourismus in die Erhaltung von Lebensräumen sollen „Trittsteine“ gesichert werden, die der Rast und Nahrungsaufnahme bzw. der Sicherung von Überwinterungs- und Brutgebieten dienen. Darüber hinaus sollen für die lokale Bevölkerung Beschäftigungsmöglichkeiten im Naturschutz geschaffen werden. Chefornithologin Mag. Christine Medicus vom Haus der Natur in Salzburg meint dazu: „Wie man am Beispiel Seewinkel sieht, lässt sich Tourismus durchaus vogelverträglich gestalten und führt zu einer Bewusstseinsbildung bei Besuchern und Einheimischen, die dem Schutz der Vogelpopulationen zuträglich ist“. Weiterführende Informationen gibt es bei BirdLife.

Weltzugvogeltag

Am jährlichen Weltzugvogeltag machen die Bonner Konvention und das Abkommen zur Erhaltung der afrikanisch-eurasischen wandernden Wasservögel (AEWA) auf den dringend notwendigen Schutz von Zugvögeln und ihrer Lebensräume aufmerksam. Die zwischenstaatlichen Übereinkommen laufen unter dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), das 2014 erstmals mit dem oben genannten UNWTO Projekt erweitert wurde. Der Weltzugvogeltag 2015 ist am 10. und 11. Mai.

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