Fair Trade Tourismus auf Madagaskar

Für eine von außergewöhnlicher Natur geprägte Destination wie Madagaskar ist Nachhaltigkeit ein Thema, das zusehends an Bedeutung gewinnt. Mit der Zertifizierung madagassischer Tourismusunternehmen treibt „Fair Trade Tourism“ verantwortungsvolle Tourismusmodelle auf der vom Massentourismus größtenteils noch unberührten Insel voran.

Nach Südafrika und Mosambik macht das Label „Fair Trade Tourism“ nun auch in Madagaskar auf Nachhaltigkeit ausgerichtete touristische Unternehmen aufmerksam. Voraussetzungen für die Zertifizierung sind neben Nachhaltigkeit die gerechte Verteilung von Gewinnen, die Möglichkeit für alle Mitarbeiter, sich an Entscheidungsprozessen zu beteiligen, der Respekt von Menschenrechten, Kultur und Umwelt, sowie Zuverlässigkeit und Transparenz. Aktuell tragen acht Beherbergungsbetriebe das Fair Trade Tourism Siegel. Eines davon haben wir uns näher angesehen.

Paradiesische Zustände

Eine Boa schlängelt sich durch die Lobby des Hotel Le Paradisier, Foto Susanna Hagen
Eine Stunde nördlich von Tuléar im Wendekreis des Steinbocks gelegen, wird das Hotel Le Paradisier seinem paradiesischen Namen vollends gerecht. Das merken die Gäste spätestens dann, wenn die hauseigene Boa nach ihrem abendlichen Jagdausflug quer durch die Lobby zu ihrem Lieblingsbaum im Innenhof kriecht. „Ich weiß, es wirkt komisch, aber ich kann es ihr nicht ausreden,“ entschuldigt sich Gabriella – die schwedisch-italienische Hotelmanagerin, die sich gemeinsam mit ihrem ausnehmend motivierten Team um die Gäste kümmert. Ihr zur Seite steht Co-Direktor Christophe, ein junger Umwelttechniker, der Belgien und La Réunion für diesen Job hinter sich gelassen hat und sich partout nicht vorstellen kann, das Paradies je wieder zu verlassen. Gabriella stimmt ihm zu: „Hier arbeitet man nicht für Geld – die Natur und die liebenswürdigen Menschen sind die beste Motivation!“
Gabriella Rossi, Managerin des Hotel Le Paradisier, Foto Susanna Hagen

Aus Tradition gebaut

Die Bungalows sind aus Stein und Palisander in traditioneller Bauweise errichtet. Ein Zauberer scheint sie auf die weißgoldenen Sanddünen gesetzt zu haben. Zwischen den großzügig angeordneten Häusern und der glitzernden Lagune recken sich Bungalow im Hotel Le Paradisier, Foto Susanna HagenEuphorbien aus dem Sand. Das Hauptgebäude fügt sich nahtlos in die Küstenlandschaft ein und wird von einem Schwimmbecken flankiert, das vorgibt, ein Teil des Ozeans zu sein. Wenn die Flut es zulässt, zieht es die Gäste in Richtung Sandstrand, nicht selten mit Taucherglas und Schnorchel bewaffnet. Um zum vorgelagerten Riff zu gelangen empfiehlt sich die Buchung einer Tauchtour. Im Juli und August ziehen vor dem Riff die Wale vorbei. Abends gibt es im Le Paradisier angenehm wenig zu tun – sieht man von den spektakulären Sonnenuntergängen ab. Höhepunkt ist das liebevoll zubereitete Menü, aus dem sich die französische Kolonialgeschichte und der eigene Gemüsegarten richtig herausschmecken lassen. Die meisten Zutaten werden im Dorf gekauft, frischer Fisch von den Fischern. Nach einer von Tausenden Sternen bewachten Nacht im Rhythmus der Brandung lassen die Spuren im Sand vor dem Bungalow phantasievolle Bilder aufsteigen von nachtwandelnden Lemuren und unwirklich gemusterten Chamäleons. „Manchmal kommen sie sogar an die Bar“, scherzt Gabriella, „gefährlich ist hier aber gar nichts“.Bungalow im Hotel Le Paradisier, Foto Susanna Hagen

Sonnige Aussichten

300 Tage pro Jahr scheint die Sonne über dem Le Paradisier. Dank einer Solaranlage ist sie die einzige Energiequelle des Hotels. Von den 41 Angestellten kommen alle bis auf zwei aus der Region. Sie verdienen mehr als ihre Kollegen in den meisten anderen Hotels. „Ein sicherer Job mit korrektem Gehalt gibt den Menschen Perspektive“, erklärt Gabriella. Spitzenverdiener ist der Chefkoch. Logisch. Die örtliche Schule mit ihren 100 Schülern wird vom Hotel unterstützt. Das Fair Trade Tourism Siegel trägt das Le Paradisier seit 2010. Glaubt man dem französischen Hotelbesitzer, war das Schwierigste dabei, alles aufs Papier zu bringen, denn die meisten der Kriterien waren von Anfang an erfüllt. Besonders über das sensible Ökosystem wird strengstens gewacht. So ist das Le Paradisier nicht nur für die lokale Bevölkerung zum Hoffnungsträger geworden, sondern leistet auch Pionierarbeit für ganz Madagaskar.
Pirogenkapitän Franclin mit seinem Skipper, Foto Susanna Hagen

Info-Kasten

Hotel-Tipp: Le Paradisier
Kategorie: sehr gutes 3-Stern-Hotel
Zimmer: 20 Bungalows, 1 Suite und 2 Villas
Nächster Ort: Ifaty (10 Min.)
Anreise: via Tuléar mit einer täglichen Flugverbindung von der Hauptstadt Antananarivo oder per Auto mit einigen Stopps über die Nationalstraße Nummer 7 (ca. 950km)
Info: www.paradisier.net

Weitere für ihre Nachhaltigkeit ausgezeichnete Hotels finden Sie auf der Website von Fair Trade Tourism: www.fairtrade.travel

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