Privatunterkunft – heiß begehrt

Kürzlich ruft mich ein freundlicher junger Mann aus Berlin an. Im Marketing arbeite er, bei Wimdu, dem deutschen Pendant von AirBnB, einem Internet-Portal für die Buchung von Privatzimmern bzw. Ferienappartments.
„Ja bitte, was hat das mit mir zu tun?“, frage ich.
Man habe mein Profil auf AirBnB gefunden. Ich würde über diese Plattform ein Zimmer in Wien anbieten. Wimdu bewerbe derzeit intensiv das Wien-Angebot, leider gebe es mehr Nachfrage als verfügbare Unterkünfte. Man würde mich daher gerne auch als Gastgeber bei Wimdu aufnehmen, wenn mir das recht wäre.
„Spannend.“, sage ich und bitte meinen Gesprächspartner mir doch per email Details zukommen zu lassen.

Privates Appartment zur Vermietung in Wien

Heut morgen war in meinem Posteingang dann ein Mail:

Hallo.
Wie telefonisch vereinbart, haben wir Ihnen Ihr Wimdu-Account erstellt. So wird Ihr Angebot dargestellt, um Ihnen Buchungsanfragen weiterleiten zu können.
Ich hoffe, es ist alles zu Ihrer Zufriedenheit.
Nachfolgend Ihre Zugangsdaten:

Kundenfreundlichkeit, könnte man meinen. Sind die Herren von Wimdu doch gleich so nett, einem den Account anzulegen. Inklusive Bildern, email-Adresse, Telefonnummer…

Moment mal. Wie kommen die eigentlich an die ganzen Daten. Ich rufe bei dem geschäftstüchtigen Marketing-Menschen in Berlin an.

„Kann das sein, dass Sie sich mit einem Privatnutzer-Account bei AirBnB einloggen, um dort Daten zu sammeln, die sie für eine gewerbliche Kundenakquise nutzen?“, frage ich.

Ganz so sei es nicht, sagt er. Weil man, um an die detaillierten Angaben zu kommen ja auch eine Buchungsanfrage schicken müsste. Und wie ich ja wisse, haben sie keine solche geschickt. Vielmehr würde man anhand der Datenfetzen, die im Public-Profile ersichtlich sind per Internet-Recherche, die notwendigen Informationen zusammensuchen.

Porträt im ASCII-Code

Aus Marcus, 1140 Wien, mobil xxxxxxx90 wird dann ganz fix ein vollständiges Nutzerprofil. Noch nicht online, wie man mir versichert, das müsse ich selber freigeben. Ich könne es auch problemlos mit einem Klick löschen, wenn ich das wünsche.

„Geschäftstüchtig!“, sage ich.

„Man tut was man kann.“, strahlt mein Gesprächspartner.

Stolzgeschwellte Heldenbrust deutscher Startups. Soweit schlüssig.

Aber die Fotos müssen schon vom AirBnB-Account kommen. Und was steht dazu in den AGBs?

Im Rahmen der Nutzung unserer Website, der Anwendung und der Dienstleistungen erklären Sie sich einverstanden, Folgendes zu unterlassen:
{…} unsere Website, die Anwendung oder die Dienstleistungen für die Übertragung, Verteilung, Veröffentlichung oder Bereitstellung von Informationen zu einer Drittperson oder -organisation zu verwenden, u.a. Fotografien Dritter ohne deren Erlaubnis, persönliche Kontaktdaten oder Kredit-, Kunden- oder Anrufkarten oder Kontonummern;

Vermutlich haben das die Rechtsanwälte von Wimdu genau angeschaut. Eine spannende Gratwanderung ist es allemal, wie ich meine. Hier also das Erfolgsmodell Schritt für Schritt zum Nachmachen:

  • Man suche sich geeignete Angebote von der Webseite eines Mitbewerbers.
  • Komplettiere die paar verfügbaren Daten im Internet mittels Google Search.
  • Nehme die passenden Fotos direkt von der Seite des Mitbewerbers.
  • Füge alles zu einem Profil auf der eigenen Seite zusammen.
  • Rufe die potenziellen User/Anbieter/Kunden an und informiere sie über ihr großes Glück, nun auch ganz stressfrei auf einer weiteren Webseite gelistet zu werden.
  • Schicke ihnen Zugangsdaten zu und mache ihnen die Zustimmung zu diesem Sorglos-Paket möglichst einfach.

Einziger Schönheitsfehler vielleicht: Hat mir Wimdu die AGBs zur Einsicht gegeben, bevor ich dem Account zustimme?

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2 Antworten zu “Privatunterkunft – heiß begehrt

  1. Oder man setzte wie Sie einen Backlink zu Wimdu und der Erfolg hat sich für die schon ausgezahlt – schon mal darüber nachgedacht? – schlimm das man sich darüber aufregt Daten zu sammeln und nicht im Hinterkopf hält was eigentlich der Zweck ist 😦

    • Kluger Hinweis, danke dafür. Im WWW kann man Quellen/Fußnoten gut verlinken. Das war mal ein schöner Zusatznutzen, den ich hier recht unbedarft eingebaut habe. In diesem Post ist das aber tatsächlich paradox. Mir liegt weder der eine noch der andere Anbieter von Ferienwohnungen am Herzen, die Backlinks habe ich entfernt. Übrigens auch aus dem Kommentar 😉

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