Zwei Weißkopfseeadler kreisen über den dichten Wäldern. Ein Schild warnt vor Grizzlybären. Wild, rau und atemberaubend schön präsentiert sich die Natur, während bei allen angebotenen Aktivitäten die Handschrift der Huna Tlingit-Ureinwohner zu erkennen ist. Ein Stück echtes Alaska und ein lohnendes Reiseziel im Rahmen einer Kreuzfahrt durch die Inside Passage.
Icy Strait Point ist einer der jüngsten Kreuzfahrthäfen entlang der Inside Passage im Südosten Alaskas. Erst 2016 wurde der erste Pier für die großen Cruise-Dampfer an der gleichnamigen Meerenge auf der Insel Chichagof gebaut. Der zweite folgte 2021. Im Sommer laufen maximal vier Schiffe täglich ein. Die Ankünfte werden sorgfältig gesteuert, sodass sich das Getümmel an Kreuzfahrttouristen im Gegensatz zu anderen Anlaufhäfen in Grenzen hält. Zwischen den beiden Landungsbrücken und dem Dorf gibt es viel Platz und Natur – ein Luxus für Passagiere nach der relativen Enge an Bord.

Land und Luft
Endlich wieder mal an Land! Wer sich auf einem Spaziergang durch den gemäßigten Regenwald entspannen möchte, wird über die riesigen Farne und Pflanzen staunen, die in Jurassic-Park-Manier aus dem weichen Waldboden wachsen. Ebenso reizvoll und leicht zu bewältigen ist eine kurze Wanderung am Boardwalk entlang der Küste, vorausgesetzt keiner der vielen Braunbären der Insel hat gleichzeitig denselben Weg gewählt. Entsprechende Schilder raten dann zu Plan B: Dann heißt es entweder den elektrisch betriebenen Shuttlebus oder die kostenlose Transfer-Gondel zu besteigen.

Nicht gratis, dafür aber schwindelerregend steil ist die Sky Peak Gondola. Bei gutem Wetter bietet sich vom Gipfel ein fantastischer Ausblick auf den Hafen und die vorgelagerte Inselwelt. Gut beschilderte Wanderwege führen zu einem versteckten kleinen See. Schwindelfreie Abenteurer suchen aber eher den Einstieg zur Zipline und sausen dann im Eiltempo mehr als 1.600 m mitten durch den Wald in die Tiefe. Ernsthafte Wildlife-Fans schließen sich am besten der Tour an, die im Spasski River Valley nach Bären, Weißkopfseeadlern und anderen Wildtieren Ausschau hält.
Tlingit Kultur
Bei einem Stopp in Icy Strait Point spielt die Kultur der Ureinwohner eine zentrale Rolle. Kein Wunder, denn diese erste private Kreuzfahrt-Destination Alaskas gehört zum angrenzenden Tlingit-Dorf Hoonah und wird auch fast ausschließlich von Indigenen betrieben. Ihre Tanzvorführungen oder die Begegnung mit einem charismatischen Geschichtenerzähler sind authentische Erlebnisse, die bleibende Eindrücke hinterlassen. Auf jeden Fall spannend sind Touren mit den indigenen Wildlife-Guides, die meist viel zu erzählen haben.

Ihre Geschichten zeigen die enge Bindung zur Natur und den großen Respekt ihres Volkes für Wildtiere und die Umwelt. Über die Lachs-Fischerei und das Leben in der Abgeschiedenheit lässt sich in der Hoonah Cannery viel erfahren. Die Holzbauten der Fischfabrik aus dem Jahr 1912 wurden liebevoll zu einem Museum umfunktioniert und zeigen Maschinen, die noch bis in die 1950er-Jahre zur Fischverarbeitung vom Fang bis zur Konserve verwendet wurden. Nach einem Rundgang kann man sich den Alltag der Fabrikarbeiter lebhaft vorstellen und kennt den faszinierenden Lebenszyklus der Lachse. Auf der Suche nach nicht kitschigen Made-in-Alaska-Souvenirs wird man in einem der zwölf Shops sicher fündig.

Abenteuer am Meer
Natürlich werden auch die bei Kreuzfahrten üblichen Allrad-Touren angeboten. Europäische Gäste zieht es aber erfahrungsgemäß eher in die Natur und aufs Wasser. Spannende Erlebnisse sind mit dem Kayak oder den auf Walbeobachtung spezialisierten Bootstouren mit einem Naturkundler garantiert: Sie kennen die besten Stellen, um Meeressäugetiere von Robben bis Orca-Walen zu beobachten.

Der Jackpot ist geknackt, wenn sich eine Gruppe Buckelwale zum „Bubble Net Feeding“ sammelt. Bei dieser erstaunlichen Jagdform bilden Wale einen Ring mit aufsteigenden Luftblasen, in dem Fisch- und Garnelenschwärme gefangen werden. Wale vom Land aus zu sehen, ist ein besonderes Privileg. Mit etwas Glück gelingt das sogar vom Boardwalk, der am Strand entlang von der Talstation der Gondel bis zum Museum führt. Die Holzstege schützen das empfindliche Ökosystem der Küste. Und weil Meeresluft hungrig macht, servieren die drei Restaurants am Wasser vorwiegend lokale Spezialitäten und frisches Seafood. Die Fische und Meeresfrüchte werden nach indigenen Naturschutzprinzipien gefangen, die den Fischreichtum dieser Gewässer seit Jahrtausenden erhalten.
Was heißt hier nachhaltig?
Icy Strait Point wurde 2004 als erstes touristisches Unternehmen der Huna Totem Corporation (HTC) eröffnet und beschäftigt heute mehr als 100 Dorfbewohner. 2026 laufen dort erstmals auch Schiffe der Kreuzfahrtlinien MSC, Virgin Voyages, Explora Journeys und Ritz Carlton ein. Das 1973 gegründete Mutterunternehmen HTC ist im Besitz von 1.650 indigenen Aktionären aus Hoonah und Glacier Bay.

Neben wirtschaftlicher Stabilität und der Schaffung von Arbeitsplätzen, stehen vor allem die Erhaltung der indigenen Kultur der Huna und der Schutz der Umwelt im Fokus. Die Gewinne aus dem Tourismus fließen in lokale Projekte wie Schulen, Infrastruktur oder Kulturprojekte. Huna Totem stellt sich damit der Herausforderung, ein gesundes Gleichgewicht zwischen sozialen und ökonomischen Interessen zu gewährleisten. Nicht zuletzt die vielfachen Auszeichnungen, die Icy Strait Point als besonderes Kreuzfahrtziel küren, tragen dazu bei, andere indigene und nachhaltige Tourismusprojekte zu inspirieren. Ein neuer Kreuzfahrthafen von HTC wurde im Frühling 2025 in Klawock auf Prince of Wales Island eröffnet. Seit 20024 betreibt HTC gemeinsam mit Norwegian Cruise Line ein Pier in Whittier, südöstlich von Anchorage.

